Das beste Desktop PC Betriebssystem. Gibt es sowas? (Teil 3/4: Linux)

Teil 2 noch nicht gelesen? dann aber…

zu Teil 2

Teil 3: Linux

Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema Linux und hoffentlich auch für Sie. Dieser Text soll Leute, die sich unsicher sind ob es das Richtige ist, eine neue Perspektive geben.

Allerdings möchte ich ein wenig anders anfangen, als andere Autoren das getan haben. Ich konzentriere mich zuerst auf die grafische Oberfläche. Warum ist das wichtig? Ist es nicht unbedingt, aber es erleichtert die Wahl zwischen den vielen über 300 Linux Distributionen (Distros).

Da ist auch der Nachteil. Linux hat zu viel Auswahl. Das gibt es bei Windows oder MacOS nicht. Und welche ist dann die beste Distro? Das kommt auf den Anwendertypus an. Ich denke aber, wenn wir mit der Diskussion „Grafische Oberflächen“ (GUI) starten, ist die Wahl viel einfacher. Die Wahrheit ist, dass die Distros sich oftmals ab-kopieren und nur kleine Veränderungen enthalten. Außerdem ist GUI sehr wichtig, denn die Entwickler einer bestimmten GUI entwickeln auch meistens an der Distro. Das ist auch wichtig, weil diese mit der vorgesehenen Distro im Einklang arbeitet. Mehr dazu folgt.

Warum aber überhaupt Linux? Ein paar Vorteile gibt es schon:

  1. Keinen Ärger mehr mit Viren. Linux ist im Kern sicher.
  2. Rechnerangriffe auf Linux Systemen ist sehr schwierig, weil Webbrowser niemals vollen Zugriff auf Ihrem Rechner haben.
  3. Keine Bluescreens.
  4. Keine Spionageaktivitäten an Ihrem Rechner. Der PC gehört Ihnen und macht nur das, was Sie möchten.
  5. Keine Zwänge Updates installieren zu müssen, wenn es Ihnen am wenigsten passt.
  6. In der Regel weniger Hardware-Ressourcen, die benötigt werden. Einige Linux Distros kommen bereits mit 256 MB RAM gut aus.
  7. Jede Menge kostenlose werbefreie Software von sehr hoher Qualität.

Aber diese Diskussionen finden sich in anderen Foren und Sites wieder. Darauf werde ich nicht näher eingehen.

Führen wir mal einen neuen Begriff ein: Desktop Umgebung (Desktop Environment). Auch hier gibt es einige. Bei Windows oder MacOS, gibt es den Begriff nicht wirklich fest, aber Desktop Umgebung ist alles grafische außerhalb der Anwendungen, was Sie als Anwender sehen. Bei Windows ist das z. B. das Startmenü und die Taskleiste. Der (Internet) Explorer u. a. gehört als zentraler Bestandteil dazu.

Jetzt gibt es für Linux viele Desktop-Umgebungen, zum Glück aber weniger als Distros. Hier müssen Sie sich die Frage stellen, welche Desktop Umgebung Sie eher anspricht. Ich werde im Abschnitt auch auf die Hauptdistro eingehen. Sollte Ihnen diese gefallen – ist mein Tipp – die entsprechende Hauptdistro zu nehmen. Dort läuft die dafür vorgesehene Desktop Umgebung einfach am besten.

In der Regel kann jede Distro mit jeder beliebigen Desktop Umgebung arbeiten. Da die Entwickler der Distro aber diese nicht ausgiebig testen, halte ich davon eher Abstand. Wenn Sie also eine gute stabile und zuverlässige „Experience“ erleben wollen, nehmen Sie einfach die Hauptdistro. Experimentieren können Sie immer noch. Sie können auch mehrere Desktop Umgebungen installieren, wenn Ihnen danach ist.

Gnome

Und so sieht es bei mir aus. Gnome-Shell ist mein Favorit. Ich habe die Desktop-Umgebung mit ein paar Extensions erweitert.

Und so sieht es standardmäßig aus (Die obere Leiste hat weniger Kram):

* from https://www.gnome.org/gnome-3/

Sie fragen sich vielleicht, wie man das bedient. Nun, es ist sehr einfach. Es gibt nur zwei Ansichten, die für Wählen von Anwendungen (Aktivitäten) und die Ansicht für eine Anwendung selbst.

Es ist ein sehr ungewohntes Prinzip und hat mit Windows oder MacOS gar nichts zu tun. Hier gibt es auch kein Startmenu, im Gegenzug dazu aber eine Application View (gleichwertig).

Das ist auch der Grund, warum diese Oberfläche von vielen Linux-Usern verflucht wird. Früher war Gnome mehr an das Windows Paradigma angelehnt. Vor 6 Jahren wurde dieses Konzept über Bord geworfen, denn die Entwickler wollten etwas evolutionäres schaffen.

Ich mag Gnome und Gnome-Shell sehr. Ich habe das Gefühl, dass ich damit schnell und produktiv arbeiten kann. Auch die Lernkurve war nicht wirklich groß. Allerdings kann man hier keine Windows oder MacOs ähnliche Bedienkonzepte erwarten.

Es ist anders und das finde ich persönlich sehr wichtig, denn Linux sollte kein Abklatsch von Windows oder MacOS sein, sondern etwas eigenes.

Im Mittelpunkt steht das Konzept keine Ablenkung und Fokus auf die laufende Anwendung. Man sieht das Fenster der Anwendung und alles weitere wird versteckt. In der Aktivitäten-Ansicht sieht man alle laufenden Fenster in Miniaturansicht und kann dort hinwechseln, schließen oder sogar in andere virtuelle Desktops verschieben, ein Konzept, dass Windows 10 später ab-kopiert hat. Ich finde das sehr praktisch und betrachte es als Killer-Feature. In der Aktivitäten kann auch leicht gesucht werden. Egal ob Programme (sogar nicht installierte), Dokumente, Emails, alles kann dort abgerufen werden.

Wer wirklich etwas neues am PC in Sachen Bedienung erleben möchte, ist hier genau richtig. Noch dazu entwickeln einige der Hauptentwickler von Linux  (die von RedHat gesponsort werden) an dem Gnome-Desktop weiter. Genau deswegen halte ich diesen für keine schlechte Wahl.

Jetzt zur Hauptdistro von Gnome-Shell. Hier sehe ich drei, aber am besten ist Fedora. Fedora ist immer in Sachen Innovation weit vorne, allerdings gibt es jedes halbe Jahr ein Upgade, welches man unbedingt machen sollte. Hier sehe ich immer etwas Risiko. In der Vergangenheit liefen die nicht reibunslos ab. Inzwischen ist das besser geworden.

Zweite Variante ist CentOS, das ist der stabile Ableger von Fedora wird nicht so oft aktualisiert, aber zehn Jahre Support ist ein schönes versprechen, dass eingehalten wird. Bei IT Unternehmen ist es sehr beliebt. Für Desktops an sich ist es nicht ausgelegt, aber vom Terminal aus kann Gnome-Shell nachinstalliert werden. Die Installation von CentOs ist also ein bisschen aufwändiger.

Die dritte Variante ist Ubuntu Gnome oder später für die kommende 17.10 Version einfach Ubuntu, denn Canonical hat entschieden mehr an Gnome mitzuarbeiten und Unity aus Ihrem System zu entfernen. Ubuntu war schon immer einfacher und zuverlässiger in Software Management und kausale User. Was ist Unity? kommt noch!

Empfehlen kann ich aber auch noch OpenSuse Leap, aber eher weniger. Leider ist die Version nicht ganz neu, aber im Gegenzug enthält es viele Tools für Power Users (YaST).

Für jemanden, der umsteigen möchte und noch nie Linux genutzt hat, würde ich mit Gnome-Shell warten. Es ist zwar einfach zu bedienen, aber wir brauchen noch ein darunterliegendes System, was nicht für IT-Profis ausgelegt ist. Das sehe ich hier noch nicht ganz klar.

Wer sich aber so wenig mit dem System quälen möchte, trotzdem Gnome-Shell haben will, dem empfehle ich Ubuntu Gnome 17.04. Ich habe es im produktiven Einsatz und es macht keinen Ärger. Es gibt auch Ubuntu Gnome 16.04 LTS mit 5 Jahren Support (also noch bis 2021). Das kann man auch ohne einsetzen…

Unity

Canonical hat etwas eigenes entwickelt (auch vor 6 Jahren), was anfangs sehr instabil war, heute aber wirklich gut läuft. Leider wird es nicht mehr weiterentwickelt und ich rate davon ab, es noch zu nutzen. Ubuntu 17.10 liefert jetzt ein angepasstes Gnome mit, was die Ex-Unity-User abholen wird.

*aus Wikipedia

Wenn Sie natürlich sowas immer noch benutzen wollen, sind Sie mit Ubuntu 16.04 LTS noch gut dabei (Auch bis 2021 Support). Danach müssen Sie aber nach Alternativen suchen.

Cinnamon

Vor einigen Jahren war der Hass auf Gnome (und Unity) etwas größer, weil die Entwickler zu viel Neues wagten. Cinnamon ist daraus entstanden und hat sich in eine Richtung entwickelt, die wesentlich benutzerfreundlicher ist.

Allerdings sind das MS Windows ähnliche Paradigma, mit denen Menschen aus der Windows Welt abgeholt werden können. Hier gibt es ein Startmenü, Desktop-Symbole, Systemsteuerung usw.

Es ist aber keine einfache Kopie von Windows Komponenten; es ist viel mehr. Die Entwickler haben sehr viel Feedback von Menschen aus Foren umgesetzt, manche Features, die selbst bei Windows sehr praktisch gewesen wären. Hier kann man von diesen profitieren. Zum Beispiel kann die Taskleiste beliebig angepasst werden. Ob dort eine kleine Systemüberwachung zu sehen ist, Mailüberwachung, Taskleiste nur mit Symbolen oder auch mit Beschriftung. Das kann alles Individuell eingestellt werden. Der Update-Manager ist sehr übersichtlich und lässt den Benutzer konfigurieren wann und wie diese angewandt werden.

Es ist wirklich ein schönes Konzept in dem sich User von Windows 95 bis 10 wirklich wohlfühlen können. Es ist flott, es ist sicher und stabil. An Anpassungsoptionen bleibt kein Wunsch offen. Man kann sogar alles mit zwei Klicks in die Werkeinstellungen setzen, wenn es einem nicht mehr gefällt.

Die beste Distro dafür ist ganz klar Linux Mint. Cinnamon integriert sich damit am besten. Auf Seiten wie vom Verlag CHIP heißt es sogar, es sei das beste Linux System. Von manchen Leute meine ich sogar mal gelesen zu haben, es sei das Beste System überhaupt. Ich halte das für übertrieben.

Wer Windows kennt und vielleicht nicht ganz so glücklich damit ist, Linux Mint Cinnamon kann ich ihm wärmstens empfehlen. Die Integration ist wirklich gut gelungen und Nutzer werden merken, dass keine Kommandos eingetippt werden müssen.

Cinnamon gibt es inzwischen auf vielen anderen Distros, aber davon rate ich ab. The Best Experience ist mit Linux Mint.

Leider hat Linux Mint einen Nachteil für einige Entwickler und Profis im IT-Bereich. Durch den 5-jährigen Support bleibt die Software in dem Zustand eingefroren. Sicherheitspatches werden lediglich eingepflegt. Das ist auch okay, genauso macht es ja auch Windows. Wer aber neuere Software Versionen (vielleicht sogar Beta oder Test-Versionen) bevorzugt, wird merken, bei Mint geht es um stabile Software. Die kann dann schon etwas älter sein.

Z.B. hat LibreOffice das Ribbon-Konzept der Microsoft Office ein bisschen nachgebildet. Bei Linux Mint wird man das nicht so schnell zu sehen bekommen. Sobald Version 19 (Im Sommer 2018) am Start ist, ist es mit dabei. Natürlich kann diese Software auch schon vorher installiert werden, aber es ist nicht in der Standard Software Repository enthalten.

Es ist wirklich ein gutes System und führt den Anwender in Sachen Software-Pflege gut an der Hand. Und weil es immer noch Linux ist, muss man sich auch keine Sorgen wegen Sicherheit, Viren, Malware , Spyware oder ähnliches machen.

Wer also Windows wegen Spionage und vieler andere Probleme aus dem Weg gehen möchte und eine Alternative sucht, ist mit Linux Mint genau richtig.

Einfach ausprobieren!

Der nächste Teil dieser Reise wird noch ein paar erwähnenswerte Desktop Umgebungen anschneiden, die mehr oder weniger bekannt sind, trotzdem für den produktiven Einsatz gut geeignet sind. Bleiben Sie dran, Teil 4 kommt bald!

3 Gedanken zu „Das beste Desktop PC Betriebssystem. Gibt es sowas? (Teil 3/4: Linux)

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