Microsoft Office 365? OnlyOffice ist besser

Liebe Leser,

in den letzten Tagen hatte ich die Gelegenheit probeweise Office 365 zu testen. Ich beziehe mich auf den Stand von heute (12.05.2018).

Als Desktop-Alternative bietet Microsoft weiterhin Office 2016 an, obwohl bereits darüber diskutiert wird, was Office 2019 mit sich bringt. Mir ist das eigentlich egal.

Ich hatte schon ein paar Mal einen eigenen Cloud-Server aufgebaut mit dem Office möglich ist. Die Anleitung dafür finden Sie übrigens hier:

http://www.steinzone.de/wordpress/index.php/2017/07/23/onlyoffice-in-nextcloud-mit-ubuntu-16-04-lts/

Obwohl es technisch keine Hürde ist, sorgen Firmen wie Microsoft dafür, dass Daten, die unter Office 365 bearbeitet werden, nicht auf einen Ihrer Server oder Clouds laufen, sondern bei dem „Monopol“. Ich finde das nicht gut. Es gibt zwar Möglichkeiten dies bspw. über die Telekom laufen zu lassen, doch dort ist das Cloud-Angebot noch teurer und bietet sogar weniger Features an. Auch hier bleibt es dabei: Sie sind nicht Herr über Ihre Daten sind, sondern trauen Sie einem Dritten an. Ich möchte nochmals an den NSA-Skandal und das Projekt PRISM erinnern. Die Firma Microsoft ist eine der ersten, die dabei mitmacht:

https://de.wikipedia.org/wiki/PRISM

Denken Sie also immer daran, wenn Sie dieser Firma etwas anvertrauen wollen/müssen.

Da wir unsere Daten weitergeben und auch viel Geld dafür zahlen, sollten wir allerdings viel dafür zurückbekommen. MS Office hat ja eigentlich einen guten Ruf, was die Software angeht. Ist die Leistung gut? Nun ich habe es für meinen Bedarf mal getestet.

In diesem Artikel vergleiche ich ein paar meiner Erfahrungen damit, so können sie sich ein Bild machen. Das ist natürlich mein Empfinden und ich arbeite nicht täglich mit Office, allerdings teilen einige Menschen diese Meinung mit mir:

https://www.youtube.com/watch?v=zSXeEhEPJdw

Als Linux-User habe ich den Vorteil Office 365 in meinem Webbrowser zu nutzen. Mit Google Chrome und Mozilla Firefox kommt dieser wunderbar klar. Office 365 an sich läuft damit sehr stabil.

Office 2016 lässt sich mit dem Cloud-Dienst von Microsoft verbinden. Das ist ganz nett, aber die wollen ja immer noch keine Version für Linux bauen und eine Schnittstelle für LibreOffice oder OpenOffice ist auch nicht vorhanden.

Also müssen Linux- und wahrscheinlich Mac- und Android- (bzw. alle Nicht-Windows-User) ins Gras beißen. Selbst wenn die Software gut wäre, Office 2016 only for Windows (Aber bitte nicht unter XP oder Vista versuchen :-D).

Office 365 vs OnlyOffice

Wie bereits angedeutet, hatte ich vorab ein paar Tests mit NextCloud und OnlyOffice durchgeführt:

https://www.onlyoffice.com/de/

Ich wusste also schon was auf mich zukommt.

Da Office 365 sehr teuer ist, während OnlyOffice es kostenlos anbietet und Sie die Datenhoheit behalten, erwarte ich von Microsoft ein wesentlich besseres Produkt.

Review

Nach den ersten geöffneten Dokument fiel mir bereits auf, dass es kein vollwertiges MS-Office 2016 ersetzt. OnlyOffice hat aber auch nicht so viele Features. Was es kann, kann es aber wirklich gut. Da sehe ich zumindest noch kein Problem.

Nach ein paar Spielereien kamen bereits die Probleme:

  1. Wenn mehrere Personen editieren, sehe ich nicht, wer gerade editiert, außer ich klicke auf eine komische Liste, die ich nicht in einer Seitenleiste behalten kann. OnlyOffice macht das besser: https://www.youtube.com/watch?v=2EVOVH5HnA4
  2. Keine Gleichungen in Word! Ernsthaft? Hier haben wir ein großes Feature was OnlyOffice kann und bei Word 365 komplett fehlt. Ich hatte eigentlich gedacht, dass der LaTex-Syntax-Diebstahl auf Office 2010 zurückgehend, in Office 365 einsetzbar ist. OnlyOffice macht es leider auch nicht so gut, aber zumindest existiert das Feature und man kann damit arbeiten. Das ist ein sehr großer Fail für ein Produkt, das so viel Geld kostet. Sucht man in der Hilfe von Word 365, wird darauf verwiesen Office 2016 einzusetzen, schade.
  3. Dateiformat: Immer wieder ein Thema, weil LibreOffice und OpenOffice ODT für Texte einsetzen. OnlyOffice nutzt Standardmäßig DOCX also den  Office Open XML (OOXML) von Microsoft, kann aber auch ODT einsetzen, was ich persönlich für die bessere Wahl halte. Mehr infos hier: https://ask.libreoffice.org/en/questions/91365/revisions/
  4. Nachdem sieben Leute am Dokument editierten, wollte man uns das tolle Feature „Versionsverwaltung“ zeigen. Als die Benutzer das Dokument im Browser geschlossen hatten (Voraussetzung für das Zurücksetzen), hatte das System immer noch ein bis zwei Leute registriert, die angeblich noch am Bearbeiten waren. Nach ein paar Minuten warten und zahlreichen Versuchen, gelang es unserem Administrator, die Benutzer zwangs- abzumelden, sofern man das so betrachten kann, denn sie hatten ja keine offene Sitzung mehr.

Das Problem, dass in Netzwerk-Freigaben Dokumente gesperrt werden, ist kein neues bei Windows. Zwar können mehrere Leute mit Office 365 ein Dokument bearbeiten, aber das Problem mit Blockieren hat sich bei Office 365 auf die Versionswiederherstellung verlagert.

Ich verstehe nicht, warum das so eine große technische Hürde darstellt. Wenn Microsoft doch flexibles Office Open XML (OOXML) einsetzt, sollte es doch kein Problem sein, Dateiunterschiede zu erkennen und durch ein Patch-Verfahren einzusetzen. Was Git seit 2007 und SVN schon viel länger kann, kriegen die mit Ihren Dokumenten nicht hin und blockieren lieber diese.

Mir reicht das mit Office 365! Ich bin ein Maschinenbau-Ingenieur. Wenn ich keine ordentlichen Formeln in Word einbauen kann, ist das nichts Wert.

Kleiner Tipp: Wer es mit ordentlichen Dokumenten ernst meint, sollte sich mal LaTex ansehen. Das Prinzip ist anders, die Lernkurve höher, aber mit bisschen Zeit investiert lohnt es sich definitiv. Für kleine Dokumente mag Word ganz okay, sein. Briefe auf zwei Seiten, das geht ganz gut. Größere Dokumente, lieber nicht. Dank Software wie TexStudio kommt man sehr schnell und gut an sein Ziel. Außerdem, gibt es keine versteckten Informationen in diesen Dateien, denn die Dateien sind textbasiert und lassen sich mit Tools wie Git oder SVN wunderbar kombinieren. Also keine Probleme mit Blockieren oder Versionsverwaltung hier…

Fazit

Ich hatte mit Office 365 ein großartiges Produkt erwartet und wurde von Microsoft mal wieder enttäuscht. Mein Eindruck ist, dass man für viel Geld weniger bekommt. Nur weil die meisten Menschen diese Formate einsetzen und alles unter MS Office nutzen, heißt das nicht, dass es gut ist. OnlyOffice bietet eine viel bessere Alternative an und zudem muss man nicht seine Daten in Obhut anderer geben.

Vergessen Sie nicht, das sind Ihre Daten!

Der einzige Arbeitnehmer mit Linux-Desktop

Letztens sah ich dieses Video, eine ARD-Reportage, schön gemacht:

http://www.ardmediathek.de/tv/Dokumentation-und-Reportage/Das-Microsoft-Dilemma/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3822114&documentId=51465916

Ich finde es gut, dass dieses Problem mal wieder angesprochen wird. Wir müssen aber mal mehr dafür tun. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Ich habe 2006 zu meinem Studium vorgenommen, alles mit Linux zu machen. Das lief wirklich super und bin froh, dass die Universitäten es mitgemacht haben. Denn auch dort ist das Microsoft-Monopol sehr stark verankert.

Heute geht es darum, wie ich erfolgreich und oftmals als Einziger in der Firma Desktop Linux einsetze … und es geht wunderbar!

Dazu möchte ich anmerken, dass ich ein paar mal den Job gewechselt habe, um mich weiterzuentwickeln. In meinen Bewerbungen habe ich es zwar nicht angemerkt, dass es Desktop Linux sein muss, aber in den Bewerbungsgesprächen habe ich es oft zu verstehen gegeben.

Diese Bewerbungsgespräche liefen dank solcher Einstellung sehr gut, denn die Personen der Personalabteilungen oder Chefs (ja nachdem wer Interview macht) sind doch neugierig und sehen einen Vorteil, wenn einer in der Firma sitzt, der dem Linux sehr nahe ist.

Meine Karriere als Arbeitnehmer fing an einer Universität an. Auch hier war ich der Einzige mit Linux. Das ist nicht an allen Lehrstühlen so, leider aber an den meisten.

Schnell durfte ich anderen Leuten mit Ihren Problemen helfen. Mit Desktop Linux habe ich Windows Dateisysteme gerettet, von Windows geschützte Passwörter Rechner geöffnet und vieles mehr.

Da ich in der IT tätig war, habe ich am Ende das Active-Directory des Windows Server 2003/2008 durch Samba 4 ersetzt. Alle Rechner liefen bei meinen Kollegen weiterhin unter Windows und einige bekamen von der Umstellung nicht einmal etwas mit. So lief die ganze Server-Struktur nur noch unter Linux und der Lehrstuhl konnte sich eine ordentliche Stange Geld jedes Jahr sparen.

Kollegen, die später dazu kamen, mich aber von früheren Ereignissen kannten, machten schnell mit meine Idee „Desktop Linux“ mit. Sie waren nicht so radikal wie ich, sondern nutzen noch eine Windows Instanz in einer virtuellen Maschine. Das war meistens deswegen, weil spezielle Software nur auf dieser Art laufen konnte.

Später wechselte ich in die Industrie und durfte auch wieder Desktop Linux einsetzen. Ich hatte zwei Vorgesetzte, die Apple nutzten, sonst war der Rest bei Windows 7 oder 10. Weil in dieser Firma mit Server Linux gearbeitet wurde, kam das gut an. Ich wunderte mich, warum diese Firma überhaupt Windows genutzt hat.

Wahrscheinlich war es wegen Office. Ich sehe das als keinen echten Grund und bleibe dabei, dass MS Office nicht mehr gebraucht wird. Das ist auch kein Standard, akzeptiert es nicht! Hier wird das genau erklärt:

https://brattahlid.wordpress.com/2012/05/08/is-docx-really-an-open-standard/

Leider findet es eine weite Verbreitung, aber Menschen, die über andere Formate meckern, kann man darauf hinweisen, dass docx, xlsx, pptx usw. keinen echten Standard darstellen. Ich finde sogar, dass ein in MS Office gespeichertes Dokument keinen so großen Archivierungswert hat. Solange kein echter Standard genutzt wird, ist die Nachhaltigkeit einfach nicht gegeben.

Es gibt da so ein paar Mail-Server-Programme aus der Linux Community (Postfix, Dovecot). Diese können problemlos mit Outlook, Thunderbird, welcher einem besser gefällt umgehen. Als  Groupware gibt z.B. SOGo:

https://sogo.nu/

Einmal ordentlich konfiguriert, kann man das auch mit Outlook, Thunderbird, usw. verbinden. Sogar mit seinem Smartphone oder Tablet ist diese Technologie einsetzbar. Endlich bekommen smarte Geräte mal einen vernünftigen produktiven Einsatz :-D. Hier wird der CalDav- bzw. CardDav-Standard eingesetzt. Also kein teurer und schlechter geschlossener Exchange-Server mit dem nur ein paar Sachen möglich sind und man jedes Jahr viel Geld an Lizenzen abdrücken muss. Das muss nicht sein. Wir brauchen Microsoft in Europa nicht. Wir können unsere Software für unsere eigenen Systeme schreiben. Und was noch besser ist, dadurch werden keine Daten an den Redmond-Riesen oder ähnliche Konzerne übertragen.

Nun bin ich in einer größeren Firma gelandet und ähnliches Spiel wieder. Einige wenige nutzen Mac, doch die meisten haben Windows als Hauptsystem. Man muss aber dazu sagen, dass einige Kollegen aus beruflichen Gründen zwischen vielen Betriebssysteme wechseln, also kein wirkliches Hauptsystem haben. Darunter ist natürlich auch Linux. Das finde ich sehr cool! Allerdings ist die IT mit Microsoft sehr infiziert und das ist schade. So ein bisschen widersprüchlich, aber manche Firmen wachsen eben unterschiedlich. Als Groupware läuft dort ein vollwertiger Exchange-Server. Er ist performant und lässt keine Wünsche offen. Allerdings habe ich keine große Chance CardDav oder CalDav ordentlich zu nutzen.

Microsoft: Wenn Exchange weder Carddav noch Caldav bieten kann, gehört Ihr auch nicht zum Standard. Was nicht offen standardisiert ist, sollte aberkannt werden.

Zum Glück gibt es noch den Davmail-Gateway:

http://davmail.sourceforge.net/

Mit diesem wird das Exchange Web Zeug (AWS) auf CardDav und CalDav Protokolle weitergeleitet, genauso wie Emails. Ich kann also doch Thunderbird unter Desktop Linux nutzen, obwohl ein Exchange Server in der Firma läuft. Es ist nur schade, dass es soweit kommen muss. Dennoch ist das besser als gar nichts.

Also, wer Desktop Linux zu hause nutzen will, ich kann es empfehlen. Ich vermisse gar nichts.

Wer mit der Leistung und Spionage von Microsoft unzufrieden ist, sollte auf jeden Fall mal Linux ausprobieren. Denkt aber stets, Linux ist nicht wie Windows; es ist anders. Im Umgang mit dem Rechner gibt es damit neues zu lernen. Ich versichere Euch aber, es lohnt sich sehr!

Wer Linux nutzt, sieht ein ganz neues IT-Universum und lernt dabei auch über den üblichen Windows-Nutzern zu stehen. Das betrifft übrigens auch eine breite Masse an Politikern, bei denen Nachholbedarf besteht.

Ihr wollt es bei der Arbeit einsetzen? Wenn es Euch zu-hause damit gefällt, dann fragt doch einfach mal den Vorgesetzten. Aus technischer Sicht geht es wirklich gut.