Mein Ubuntu MATE 18.04 test

Ich hatte vor kurzen noch ein System mit dem schönen blinkenden Manjaro Deepin:

Nachdem dieses System länger nicht mehr benutzt wurde (2 Monate) und ein Update durchgeführt werden sollte, ging es mit den Problemen los. Wir merkten zuerst nicht, dass Updates fehlten. Das Problem kam eigentlich hoch, als wir neue Software aktualisieren wollten. Der Paketmanager blockt alles, wenn etwas nicht stimmt. Ich habe dann ein Terminal geöffnet und den Paketmanager per Hand laufen lassen. Die Updates wurden angewandt, aber nach einem Neustart fuhr das System nicht mehr hoch.

Ich kann solche Probleme beheben, aber eigentlich habe ich keine Lust mehr dazu. Nach vielen Distro-Tests muss ich zum Entschluss kommen, dass Linux für Umsteiger von Windows oder Mac nur dann gut ankommen, wenn solche Probleme nicht auftreten.

Ein System muss nach ein paar Jahren Nicht-Benutzung immer noch zuverlässig laufen. Leider sehe ich Manjaro noch nicht in dieser Kategorie. Das liegt zum Teil am Rolling-Release-Konzept. Man bekommt Updates viel früher, aber diese können auch Dein System brechen. Allerdings kommt es auf die Art und Weise an, wie und welche Updates genau eingespielt werden. Manjaro hat dieses Problem gut im Griff. Allerdings muss man Updates regelmäßig anwenden. Ich nutze auf dem Hauptsystem Manjaro Gnome und habe seit Jahren keine Probleme. Allerdings verpasse ich keine Update-Gelegenheit. Sind Updates da, werden Sie sofort angewandt. Manjaro Deepin ist allerdings eine Community-Spin. Evtl. liegt es daran. Die offiziellen Versionen liefern XFCE, KDE und GNOME.

Dem ausgefallenen System habe jetzt Ubuntu MATE 18.04 verpasst, denn ich möchte mal die alte Desktop-Metapher mit den neuen Features testen. Mate erinnert ein bisschen an die Zeit, wo Netbooks hip waren, wo Windows Vista nicht so gut bei den Leuten ankam:

Linux war damals mit Gnome 2 eine tolle Desktop-Oberfläche. Das Update zu Gnome 3 hat mir im Prinzip gut gefallen, aber es war etwas ganz anderes. Diese Umstellung führte dazu, dass sich die Gemeinschaften der Linux-Distros noch mehr gespalten haben. Ubuntu machte sein eigenes Ding (Unity), genauso wie Linux Mint (Mate und Cinnamon). Smartphones kamen auf den Markt und stellten Bedienkonzepte auf den Kopf. Auch Microsoft hat mit Windows8-Versuchen und komischen Windows10-Paradigmen darunter gelitten.

Mate mag auf dem ersten Blick konservativ wirken, allerdings ist es eher als eine Verbesserung anzusehen und zwar von Dingen, die damals wirklich gut waren.

Ich kenne einige Menschen, die mit Gnome 2 zufrieden waren, aber dann Linux verlassen haben, als Ubuntu auf Unity umstieg. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn man Gnome 2 einfach im Konzept weiterentwickelt hätte (Inzwischen hat man Unity auch für tod erklärt). Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und sollte es auch nicht, aber man kann Mate nutzen. Das ist das Schöne an einer Community, gute Ideen sterben nicht so einfach aus. Mir gefällt am besten der Datei-Manager Caja. Das aktuelle Nautilus von Gnome 3 verliert immer mehr Features, weil die Entwickler es einfacher machen wollen. Es schränkt jedoch Power-User ein, die gerne klicken. Und das habe ich schon oft beobachtet. In der nächsten Release von Gnome soll man mit Nautilus keine ausführbaren Dateien mehr starten können:

https://www.omgubuntu.co.uk/2018/05/nautilus-remove-ability-launch-binaries-apps

Zum Glück kann man einen anderen Dateimanager verwenden. Ich nutze Caja unter Gnome 3, kein Problem. Gute Integration ist damit ebenfalls möglich.

Der Mate-Desktop kommt bei neuen Benutzern sehr gut an. Egal ob von Windows-Einfleischten oder Menschen die noch nie einen PC genutzt haben. Das Desktop-PC Konzept ist sauber verankert und wer Smartphone Integration braucht (Keine Apple Geräte, leider), kann das mit Extra-Anwendungen tun (KDE-Connect):

https://www.omgubuntu.co.uk/2017/01/kde-connect-indicator-ubuntu

Sogar die Layouts von Windows, MacOS und andere Metaphern können mit einen Klick aktiviert werden und schon hat man etwas Gewohntes.

Ich denke Ubuntu und somit auch Linux Mint haben bis heute das beste Update System. Es ist schade, dass es nicht Rolling Releases abbildet, dafür geht ein System seltener kaputt, was ich für meine Kunden bevorzuge. Der einzige Nachteil an einer Nicht-Rolling Release ist die nicht ganz so aktuelle Software im Kern. Dafür ist diese meistens stabil und Software, die man aktuell braucht, kann man auch mit weiteren Maßnahmen nachinstallieren. In 2-5 Jahren sollte man aber ein Upgrade wagen, denn auch dadurch wird der Support des Entwicklers verlängert.

Zu Ubuntu auch auch Ubuntu MATE gibt es alle 6 Monate eine neue kleine Release (Mit 9 Monaten Support jeweils) oder halt alle 2 Jahre die LTS-Variante (Mit 5 Jahren Support jeweils). Also ist man nicht wirklich hinterher. Upgraden zwischen verschiedenen Ubuntu Releases läuft in der Regel glatt ab. Daten sollte man dennoch sichern und manchmal muss man doch vorab installierte Software erneut installieren. Kleiner Geheimtipp, Timeshift hilft bei Backups and Restores, sollte etwas schief gehen:

https://github.com/teejee2008/timeshift

Was macht also dieses Ubuntu Mate so besonders? Ich habe mal einige Stichpunkte zusammengefasst:

  • Ordner-Embleme: Im Dateimanager kann man jeder Datei oder Ordner ein Emblem verpassen. Das ändert nichts an den Dateien, sondern soll für eine gute Übersicht sorgen, wenn man navigiert.
  • Ordner einfärben: Auch wieder eine Maßnahme um seine Dateien zu organisieren und zwischen Ordner etwas schneller zu finden.
  • Datei-Vergleich wenn etwas überschrieben wird. Der Manager kann bei Text anzeigen, wo die Unterschiede sind, bevor man etwas überschreiben lässt.
  • Access Control List. Kennt man unter Windows und versteht man unter „Erweiterten Berechtigungen“. Ich mag dieses Konzept nicht, aber es gibt viele Windows Netzwerke unter uns, aber weniger Datei-Manager, die das unterstützen. Hier haben wir eine Lösung mit dabei.
  • Signieren/Verschlüsseln von Dateien.
  • Umbenennen von vielen Dateien mit Hilfe eines Musters.

Manche Optionen bleiben trotz übersetzten Systems teils in Englisch. Dieses OS liefert eigentlich nur ein paar vorinstallierte Plugins mit. Man kann das in anderen Systemen nachrüsten. Allerdings muss man sich dann mit der Materie näher befassen. Hier wird es direkt mitgeliefert.

Die Performance ist super. Man kann mit Hilfe der Compiz-Software einstellen, dass beim Schließen der Fenster, diese wegbrennen :-D. Also viele Spezialeffeke sind möglich. Als Vista herauskam, konnte man die Leute damit beeindrucken. Ich finde das nicht mehr so interessant, ist aber Geschmackssache. Man kann es auch sein lassen und hat dafür ein flottes Ressourcensparendes System.

Ich glaube immer noch an das Rolling Release Model. Manjaro setzt das wirklich gut um, aber das Risiko eines kaputten System ist immer noch zu hoch. Der eigentliche Vorteil von Rolling Releases ist man installiert einmal und nie wieder, wenn alles gut läuft. Die Ubuntu Upgrades kann man schon als Neu-Installationen zum Teil betrachten. Schon alleine der Tatsache zu schulden, dass manuell angelegte Software-Quellen deaktiviert werden. Eigene Daten bleiben schon erhalten. Ich denke aber in die richtigen Rolling Release müssen wir gehen, aber mit einer höheren Zuverlässigkeit.

 

2 Gedanken zu „Mein Ubuntu MATE 18.04 test

  1. Ich hatte auch mal ein Problem, nachdem ich unvorsichtigerweise einen nicht empfohlenen Kern installiert hatte. Unter Advanced options fand ich den älteren. Dann flutschte wieder alles. den neueren, der nicht starten wollte, entfernte ich wieder, damit der Start nicht jedes mal das manuelle wählen des korrekten Kerns notwendig machen sollte. Das funktioniert einwandfrei, mittlerweile habe ich mehrmals einen neuen und empfohlenen Kern aufgespielt. Wozu die anderen überhaupt gut sein sollen, erschließt sich mir nicht. Nur ein Soundblaster-problem habe ich noch. Die Soundkarte fliegt jetzt raus, Realtek ist auch nicht schlecht…..

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