ERP-System auf einem Banana Pi M2U (Dolibarr unter Debian 10 Buster mit MariaDB und Nginx)

Dolibarr ERP/CRM Software für KMU

Bereits in vorherigen Beiträgen hatte ich das Banana Pi M2U vorgestellt. Dieses bietet einen 8 GB eMMC Speicher an, der als fest-gelötete Einheit im Vergleich zu einer Micro-SD-Karte schneller ist. Außerdem kann dieser nicht ohne weiteres entfernt werden, was die Hardware sicherer und zuverlässiger macht. Zudem verfügt es über eine SATA-Schnittstelle. Hier können Sie eine großen Speicher, wie eine Festplatte oder eine SSD anschließen. Folglich können Sie das OS auf der eMMC und den Rest auf einem größeren Datenträger einrichten.

Banana Pi (oberes Deck) mit einer 2,5 Zoll 1 TB Festplatte (unteres Deck)

Mit den dann noch 2 GB RAM Arbeitsspeicher lässt sich einiges mehr im Vergleich zum Raspberry Pi 3 anstellen.

Dolibarr (https://www.dolibarr.de/) ist ein Open Source ERP System, welches für kleine bis mittelgroße Unternehmen geeignet ist. Als OS verwenden wir in dieser Anleitung Debian Buster (armv7l).

Ich möchte in diesem Beitrag zeigen, dass mit einen kleinen Gerät wie diesem, ein ERP-System laufen kann. Als Betriebssystem nehmen wir Debian Buster und gehen davon aus, dass es sich bereits auf dem eMMC befindet. Wie Sie von einer SD-Karte das System auf eine eMMC transferieren, finden Sie unter:

https://www.steinzone.de/wordpress/index.php/2020/01/13/emmc-speicher-von-kleingeraeten-nutzen-z-b-banana-pi/

Das Nutzen des eMMC-Speicher ist kein Muss aber besser, denn eine SD-Karte kann man einfach herausziehen. Außerdem ist dieser wesentlich flotter.

Ein paar Pakete nachladen und Benutzer für das Dolibarr vorbereiten

Zuerst loggen wir uns per SSH (z.B. mit PuTTY) auf das kleine Gerät ein. Dann fahren wir ein sauberes Update und Upgrade:

sudo apt update && sudo apt upgrade

Nun installieren wir ein paar neue Abhängigkeiten, die von Dolibarr benötigt werden und richten dafür noch einen User ein:

apt install -y sudo unzip apt-transport-https curl wget dirmngr
adduser johndoe --gecos "John Doe"
usermod -aG sudo johndoe
su - johndoe
sudo dpkg-reconfigure tzdata

Statt johndoe bitte einen anderen Benutzernamen verwenden.

PHP installieren

Ein paar PHP-Pakete brauchen wir ebenfalls:

sudo apt install -y php7.3 php7.3-cli php7.3-fpm php7.3-common php7.3-mysql php7.3-pgsql php7.3-sqlite3 php7.3-gd php7.3-mbstring php7.3-soap php7.3-curl php7.3-zip php7.3-xml php7.3-intl

MariaDB installieren

Ein Datenbank-Server muss auch installiert werden (Hier machen wir es mit MariaDb):

sudo apt install -y mariadb-server

Hat es geklappt? Das kann mit

mysql --version

überprüft werden.

Jetzt ein sicheres Setup ausführen:

sudo mysql_secure_installation

In dem Assistenten wird für root nach Vergabe eines Passworts gefragt. Dieses notieren, ganz wichtig; Dolibarr fragt es später ab.

Testen ob das Anlegen der Datenbank grds. klappt:

sudo mysql
CREATE DATABASE test;
CHARACTER SET utf8;
GRANT ALL ON test.* TO 'username' IDENTIFIED BY 'password';
drop database test;
FLUSH PRIVILEGES;
exit

Hat das alles geklappt, dann ist das Anlegen von Datenbanken möglich und wir fahren mit dem nächsten Schritt fort.

Nginx Webserver

Da Dolibarr eine Webanwendung ist, brauchen wir auf dem System einen Webserver. Nginx eignet sich ganz gut dafür:

sudo apt install -y nginx

Test:

sudo nginx -v

Konfigurieren:

sudo nano /etc/nginx/sites-available/dolibarr.conf

mit folgendem Inhalt füllen:

server {

  listen [::]:80;
  listen 80;

  server_name example.com; # Tauschen gegen den Servernamen
  root /var/www/dolibarr/htdocs;

  index index.php index.html index.htm;
  charset utf-8;

  location / {
  try_files $uri $uri/ /index.php;
  }

  location ~ [^/]\.php(/|$) {
    try_files $uri =404;
    fastcgi_param SCRIPT_FILENAME $document_root$fastcgi_script_name;
    fastcgi_read_timeout 600;
    include fastcgi_params;
    fastcgi_pass unix:/var/run/php/php7.3-fpm.sock;
  }

}

Zum speichern der Datei und verlassen der Sitzung die Kombi Strg+o, dann Strg+x drücken. Die Syntax der Config-Datei testen mit:

sudo nginx -t

Meldet es sich mit einer positiven Rückmeldung, kann der Server neu-gestartet werden:

sudo systemctl restart nginx.service

Damit Dolibarr noch weitere interne abhängige Pakete herunterlädt, empfiehlt es sich das Composer-Skript einzusetzen:

php -r "copy('https://getcomposer.org/installer', 'composer-setup.php');"
php composer-setup.php
php -r "unlink('composer-setup.php');"
sudo mv composer.phar /usr/local/bin/composer

Dann testen ob es funktioniert:

composer --version

Ein Verzeichnis für Dolibarr erstellen:

sudo mkdir -p /var/www/dolibarr

Dem Benutzer die richtigen Berechtigungen geben:

sudo chown -R johndoe:johndoe /var/www/dolibarr

Jetzt wird über den Composer Dolibarr mit den entsprechenden Paketen heruntergeladen:

cd /var/www/dolibarr
composer create-project dolibarr/dolibarr .

Dann muss der Ownership des Verzeichnisses zu dem des www-data User gewechselt werden, damit der Webserver mit der Dolibarr Instanz klar kommt:

sudo chown -R www-data:www-data /var/www/dolibarr

Jetzt müsste Dolibarr laufen. Über http://<meineaddresse>/install/ ist die Instanz zugänglich, bei der die Installation abgeschlossen wird. Hier ist es ganz wichtig anzuwählen, dass noch keine Dolibarr-Datenbank angelegt wurde. Bitte also vom Assistenten anlegen lassen. Dafür brauchen wir das root Passwort, welches über mysql_secure_installation vergeben wurde. Das andere Feld für die Datenbank ist ein neuer Benutzername, der den Admin der Dolibarr Instanz darstellt. Auf weitere Seiten wird ein Administrator angelegt, der sich innerhalb der Dolibar Instanz bewegen kann. Nach dem ersten Einloggen sieht die Oberfläche im Webbrowser wie folgt aus:

Das war es auch schon. Jetzt kommt die eigentliche Arbeit. Die Firmendaten müssen eingegeben werden und alles weitere, was mit der Einrichtung eines ERP-Systems zu tun hat, steht bevor.

Fazit

Mit ein paar Debian Linux Kenntnissen lässt sich dieses ERP-System an einem Nachmittag hochziehen. Für kleine Unternehmen ist es optimal. Das Gerät als Server ist sehr leise, kann gut weggeschlossen werden und an Speicherplatz fehlt es auch nicht, solange ein großer Datenträger angeschlossen wird.

Da die ganze Anwendung im Web läuft, lässt es sich von jedem Gerät bedienen. Die Dolibarr-Weboberfläche merkt sogar, wenn ein Smartphone oder Tablet darauf zugreift und bietet dafür höheren Komfort an (Responsive Design).

Ich habe bereits ein paar Belege hochgeladen (EK-Rechnungen verbucht) und Ausgangs-Rechnungen erzeugt. Das System läuft nach wie vor flüssig und stabil.

Was meinen Sie dazu? Möchten Sie es auch mal ausprobieren? Gerne dürfen Sie in diesem Blog eine Reihe von Kommentaren hinterlassen. Ich freue mich immer wieder über interessante Diskussionen zum Thema IT und ERP.

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